Ich träume von einem vollbesetzten Bundestag. Plötzlich
erhebt sich einer der Abgeordneten, allen anderen als aufrechtes
Mannsbild bekannt, tritt ans Mikrofon. Lange schaut er schweigend
in das Hohe Haus, bis gespannte Stille eingetreten ist.
Dann sagt er:
"Meine Damen und Herren: ich bin ein glühender Anhänger
des demokratischen Rechtsstaates; ich bekenne mich zur
freiheitlichen, individualistischen und christlichen
Kultur, Tradition und Zivilisation des Abendlandes und der freien westlichen
Welt.
Und genau aus diesem ernsten Grund sage ich allen hier
versammelten Volkvertretern, allen Parteien, Politikern und
Regierungsmitgliedern: Ich brauche eure Subventionen
und Transferzahlungen nicht; ich will nicht euer Kinder-
Mutterschafts- und Sterbegeld, nicht eure tausend Almosen
und milden Gaben, die ihr mir vorher aus der Tasche gezogen habt - und
mir und meinen Kindern noch in fünfzig Jahren aus der Tasche ziehen
werdet. Ich brauche keine subventionierte
Butter, kein Quotenrindfleisch und keine Preisgarantierte
Milch, keine EU-genormten Planwirtschafts-Erbsen und
keine minister-gelisteten Medikamente; ich brauche keinen
Schwerbeschädigten-Ausweis für meine Plattfüsse und
keinen Almosen-Freibetrag für meine pflegebedürftige
Grossmutter; auch keine Kilometerpauschale und keinen
Kantinen-Essensbon über eine Mark dreissig. All
eure Wahlfangpfennige und -Scheine könnt ihr euch an den Hut
stecken. Aber: Lasst mich dafür auch in Frieden.
Ich bin nicht euer Buchhalter, Statistiker und Belegsammler, der die
Hälfte seiner Lebenszeit damit zubringt, eure Schnüffelbürokratie
zu befriedigen, der von einem Paragraphenknäuel zum anderen taumelt
und sich wie eine gehetzte Ratte durch alle Kanalwindungen eurer kranken
Steuerhirne windet.
Schickt euer Millionenheer von Faulärschen und parasitären
Umverteilern nach Hause, eure Vor- und Nachdenker
moderner Wegelagerei und Strauchdiebekunst, eure Bataillone
von Steuerfilz-Produzenten, Labyrinth-Pfadfindern
und Paragraphen-Desperados, eure Funktionärsbrigaden
von Verordnungs-Guilleros und Stempelfuchsern, all
die nutzlosen Formularzähler und Arbeitsverhinderungsfürsten.
Lasst mich einen festen, eindeutigen und für allemal
fixierten Steuersatz zahlen und bezahlt damit eine angemessene
Verdeitigungsarmee und ein verlässliches Rechnungswesen;
aber haltet euch ansonsten heraus aus meinem Leben.
Dies ist mein Leben, ich habe nur eines, und dieses eine
soll mir gehören. Ich bin niemandes Sklave, niemandes
Kriecher und niemandes Liebesdiener.
Ich bin ein freier Mann, der für sein Schicksal
selbst und allein verantwortlich ist, der sich in die Gemeinschaft
einfügt und die Rechte anderer genauso respektiert
wie er seine eigenen Pflichten nachkommt, der aber keine
selbsternannten Ammen und scheinheilige gute Onkels,
keine ausbeuterischen Wohltäter und von mir bezahlte
Paradiesverkünder braucht.
Was ich brauche, sind: Freunde, Familie und rechtschaffende
Menschen, in guten und schlechten Zeiten;
ich bin Freund, Familienmitglied, und Christ, auch dann,
wenn es anderen schlecht geht; aber dazu brauche
ich keine Funktionäre und Schmarotzer, keine bezahlten
Schergen und staatsversorgte Wohltäter. Dazu brauche
ich nur die mir Nahestehenden und den Herrgott... Hier
stehe ich... Gott helfe mir! Ich kann nicht anders!"
***
Aus: Kreide für den Wolf. Die tödliche Illusion vom besiegten
Sozialismus.
www.aa-training.ch
Anika Tykve Verlag